IBOP – Wie alles begann
Was kann aus einem Gespräch im Elternbeirat entstehen?
Zwei Mütter begegneten sich 2020 im Elternbeirat einer Grundschule. Ihre Söhne besuchten Parallelklassen. Irgendwann erzählte die eine von einem Traum, den sie schon seit ihrer Kindheit mit sich trug:
„Ich möchte irgendwann eine Schule gründen.“
Es hätte bei diesem Gespräch bleiben können.
Blieb es aber nicht.
Denn neben unseren Erfahrungen als Mütter trafen unterschiedliche fachliche Wege aus Bildungswissenschaften, Psychologie und Pädagogik sowie Personal- und Organisationsentwicklung aufeinander. Uns verbanden Fragen, die uns schon lange beschäftigten: Was prägt Menschen? Was stärkt sie? Was brauchen sie, um ihren eigenen Weg zu finden?
Wir begannen, Erfahrungen, Fachwissen und unterschiedliche Bildungsansätze zusammenzubringen, nicht auf der Suche nach dem einen richtigen Weg, sondern mit der Neugier darauf, was funktioniert und was entstehen kann, wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen.
Und bald wurde deutlich: Unsere Fragen endeten nicht an der Schultür.
Was wäre, wenn wir Bildung gemeinsam weiterdenken?
So entwickelten sich zwei Ideen miteinander:
Die Eine Welt Schule Markgräflerland (EWS) eine Schule, in der unsere Vorstellungen von Bildung für Kinder und Jugendliche konkret werden sollten.
Und die Idee eines größeren Rahmens: eines Ortes, an dem Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen Wissen und Erfahrungen zusammenbringen, voneinander lernen und Bildung gemeinsam weiterdenken können, über Altersgrenzen hinweg.
2021 gründeten wir daraus IBOP – das Institut für Bildungsforschung, Organisationsentwicklung und Permagogik. Als Träger und Bildungsnetzwerk sollte IBOP genau diesen Rahmen schaffen.
Die EWS und IBOP waren dabei von Anfang an eng miteinander verbunden: die eine als konkrete Schulvision, das andere als größerer Rahmen für Bildung und Entwicklung über die Schule hinaus.
Auch unsere Kinder waren Teil dieser Entwicklung. Eine unserer Töchter wünschte sich eine Schule, in der man sein darf, wie man ist – und in der jeder willkommen ist. Daraus entstand der Name Eine Welt Schule. Auch das Wappen gestalteten unsere Kinder mit.
Was möchten wir Menschen für ihr Leben mitgeben?
Wir können nicht wissen, welchen Herausforderungen ein Mensch begegnen wird. Wir können nicht jede Schwierigkeit verhindern und auch nicht den richtigen Weg für einen anderen Menschen vorzeichnen.
Aber wir können helfen, einen Werkzeugkoffer fürs Leben zu füllen: mit Wissen und Erfahrungen, Kreativität und selbstständigem Denken, innerer Stärke und Möglichkeiten, Herausforderungen zu begegnen.
Mit Vertrauen in die eigene Einzigartigkeit – und der Erfahrung, dass Gemeinschaft trägt und neue Perspektiven eröffnen kann.
„Einzigartig allein – gemeinsam ein Kunstwerk.“
Und wir können den Nährboden mitgestalten. Denn Entwicklung geschieht ohnehin. Wir können sie nicht herstellen oder ihren Ausgang bestimmen. Aber Beziehungen und Vertrauen, Freiräume und Herausforderungen, Selbstwirksamkeit und Begegnungen beeinflussen, wie sie verläuft. Die EWS sollte ein Ort werden, an dem dieses Bildungsverständnis gelebt wird. Doch eine Vision auf Papier ist noch keine Schule.
Was passiert, wenn eine Vision auf die Wirklichkeit trifft?
Wir träumten von einem kleinen Bildungsdorf – modular, offen und verbunden. Wir planten, schrieben Konzepte und fanden Lehrkräfte. Nur der Ort fehlte.
Dann änderten sich Rahmenbedingungen. Konzepte mussten neu geschrieben werden, Voraussetzungen verschoben sich. Mit dem Gewerbepark Breisgau entstanden neue Möglichkeiten: ein Gelände, Planungen für modulare Schulräume, Analysen und Bodenproben.
Jetzt könnte es gehen.
Doch die Lösung wurde finanziell unmöglich.
Wir suchten weiter. Auch im Gewerbepark wurden immer wieder neue Möglichkeiten mit uns entwickelt – bis wir schließlich Mieträume fanden.
Einen Ort. Endlich.
Nur fehlten inzwischen wieder Lehrkräfte, Anforderungen hatten sich verändert und das Konzept war noch in Prüfung.
Nie fehlte alles. Aber fast immer fehlte irgendwo etwas Entscheidendes.
Und trotzdem kehrte dieser Gedanke immer wieder zurück: Jetzt. Jetzt könnte es wirklich losgehen.
Wie fühlt es sich an, wenn aus einer Idee plötzlich Wirklichkeit wird?
Dann kamen unsere Kennenlerntage.
Familien vertrauten uns, obwohl noch nicht feststand, ob die Schule tatsächlich öffnen würde. Und plötzlich waren da nicht mehr Konzepte, Anträge und Zahlen.
Da waren Kinder.
Von der ersten bis zur siebten Klasse. Große und Kleine fanden zusammen, halfen einander und lachten miteinander. Auch Eltern, Familien und unser Team begegneten sich.
Es entstand Gemeinschaft.
Der Gedanke vom „ganzen Dorf“, das es braucht, um ein Kind zu begleiten, wurde erlebbar: Eltern, Lehrkräfte und andere Wegbegleiter sehen unterschiedliche Ausschnitte im Leben eines Kindes. Wenn sie zusammenwirken, kann etwas entstehen, das keiner allein schaffen kann.
Für einen Moment mussten wir uns nicht mehr vorstellen, wie sich die EWS anfühlen könnte.
Wir konnten es erleben.
Da war Gemeinschaft. Da war Leben. Und dieses Gefühl: Genau dafür hatten wir das alles gemacht.
Doch die Schule konnte noch nicht starten. Lehrkräfte fehlten, das Konzept war noch nicht abschließend genehmigt.
Den Kindern und Familien mussten wir sagen:
Noch nicht.
Was passiert, wenn eine Vision bleibt – aber das Leben weitergeht?
Ganz am Anfang hatten unsere Kinder eine Eulen-Sparbüchse bemalt, um für ihre Schule Geld zu sammeln. Eine der ersten Spenden kam von der damaligen besten Freundin einer unserer Töchter. Sie warf ihr gesamtes Taschengeld in die Eule.
Dieses Vertrauen begleitete uns über Jahre. Unsere Familien und Freunde unterstützten und begleiteten uns. Eine besondere Rolle spielten unsere Partner: Sie trugen die Vision mit Zeit, Wissen, tatkräftigem Einsatz und finanzieller Unterstützung mit.
Und auch Menschen, die uns zunächst gar nicht persönlich kannten, schenkten unserer Idee Vertrauen. Über Betterplace kamen viele kleinere und größere Spenden zusammen. Eine ältere Dame unterstützte uns außergewöhnlich großzügig, und mit der Software AG Stiftung konnten wir eine große Bildungsstiftung für unsere Vision gewinnen.
Ohne dieses Vertrauen hätten wir diesen Weg nicht so weit gehen können.
Doch während wir planten und warteten, wurden unsere Kinder älter.
Irgendwann waren diejenigen, die gesammelt, mitangepackt und sich auf ihre Schule gefreut hatten, selbst zu alt, um sie noch besuchen zu können.
Die Vision blieb. Aber das Leben wartete nicht auf ihre Verwirklichung.
Sechs Jahre voller Gespräche und Konzepte, Abende und Wochenenden, Rückschläge und Neuanfänge. Ehrenamtlich, neben Beruf, Familie und Alltag.
Zeit. Kraft. Verantwortung.
Lebensenergie.
Vieles war entstanden: Beziehungen, Erfahrungen, Gemeinschaft. Nur die Schule hatte ihre Türen nicht geöffnet. Und während die EWS fast unsere ganze Aufmerksamkeit gebunden hatte, war die größere Idee von IBOP beinahe aus dem Blick geraten.
Als schließlich eine der beiden Gründerinnen auswanderte und aus der aktiven Arbeit ausschied, standen zwei Fragen im Raum:
Machen wir überhaupt weiter? Und wenn ja – wie?
Was kann entstehen, wenn wieder Raum da ist?
Aus der entstandenen Lücke wurde langsam neuer Raum.
Ruth, Roland, Georg und Melanie rückten näher zusammen und begannen, IBOP wieder gemeinsam zu gestalten. Damit rückte auch seine ursprüngliche Idee wieder in den Mittelpunkt: ein Bildungsnetzwerk, in dem unterschiedliche Erfahrungen, Lebenswege und Fachlichkeiten zusammenkommen und sich gegenseitig bereichern können.
Heute entstehen daraus erste Angebote – von kreativem Gestalten und Theater über Mathematik und Philosophieren bis zu Künstlicher Intelligenz, Demokratie, Gemeinschaft und Zusammenleben.
Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Denn Bildung endet für uns nicht mit der Schule.
Auch die EWS bleibt Teil dieses Weges. Ihr Konzept befindet sich weiterhin im Genehmigungsprozess. Wie es mit ihr und mit IBOP weitergeht, wird auch davon abhängen, wer dazukommt, mitgestaltet und mit anpackt.
Was wollen wir heute wachsen lassen?
Damit schließt sich für uns ein Kreis.
Wir können Entwicklung nicht machen und ihren Ausgang nicht festlegen. Aber wir können Bedingungen gestalten, die beeinflussen, wie Entwicklung verläuft. Genau darin liegt ein Grundgedanke der Permagogik:
Wir können den Nährboden bereiten.
So verstehen wir heute IBOP: als Träger und Bildungsnetzwerk, in dem Menschen Wissen, Erfahrungen und Fähigkeiten einbringen, voneinander lernen und gemeinsam Bildung gestalten und weiterentwickeln können, über Altersgrenzen hinweg.
Wir sind gespannt, was daraus wird.
Bei allem wissen wir heute mehr darüber, wie wir es wachsen lassen wollen: gemeinsam.
